Posts mit dem Label Projekte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Projekte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 13. Juli 2013

Investitionen in der Boomtown Leipzig

Leipzig ist momentan eine der sich am rasantesten entwickelnden Städte der Bundesrepublik. Die sächsische Großstadt profitiert vom allgemeinen Wanderungstrend in die Innenstädte. Nach Jahren der Suburbanisierung zieht es die Menschen verstärkt in die Stadt und davon profitiert Leipzig als eines der größten Zentren Ostdeutschlands besonders. Die Halbmillionenstadt hat im Bundesvergleich eine der stärksten Zuwachsraten der Bevölkerungszahl. Das ist neben der Attraktivität des günstigen Wohnraumangebotes auch der guten Entwicklung der Leipziger Wirtschaft zu verdanken.
Leipzig ist seit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft eine der ärmsten Regionen in Deutschland. Doch seit einigen Jahren boomt die Stadt wieder und alle wirtschaftlichen Indikatoren – bei niedrigem Ausgangsniveau – verbessern sich rasant. So hat Leipzig einen starken Anstieg der Erwerbstätigenzahl zu verzeichnen. Gleichzeitig gibt es starken Zuzug und die Arbeitslosenquote geht zurück. Leipzig hat sich durch seine zentrale Lage mittlerweile wieder als Logistik- und Transporthub etabliert. Der Umbau des mitteldeutschen S-Bahnnetzes und die baldige Fertigstellung der Autobahn 72 von Chemnitz nach Leipzig sollte diese Entwicklung weiter vorantreiben.


Die IHK-Leipzig stellt regelmäßig eine Übersicht über Investitionen in den Kammerbezirk her. Die Tabelle gibt eine Zusammenfassung der Investitionen zum Stand 2013. Der Bau des City-Tunnels für die S-Bahn in Leipzig ist die größte einzelne Investition. Dieses Projekt neigt sich seiner Fertigstellung entgegen und wird die Infrastruktur im Raum Leipzig grundlegend verbessern. Daneben stechen die Werkserweiterungen von BMW und Porsche hervor. Die Autobauer investieren in den Leipziger Standort zusammen rund eine Milliarde Euro. Auch diese Erweiterungen werden in etwa einem halben Jahr zu ende gebracht worden sein. Es ist davon auszugehen, dass diese Investitionen entscheidend zum Wirtschaftswachstum aktuell und in der Zukunft in Leipzig beitragen.
Weitere große Investitionsvorhaben betreffen den Sektor Bildung. Die Universität Leipzig und die HTWK Leipzig errichten zurzeit einige Neubauten. Außerdem steckt die Stadt über 100 Millionen Euro in Schulen und Kitas. Dies ist auch aufgrund der stark steigenden Bevölkerung und der sich verbessernden Demographie dringend notwendig. Mit der Zunahme der Einwohnerzahl in der Messestadt steigen auch die Investitionen in den Wohnungsbau. Einige große Projekte sind aufgrund ihres großen Investitionsvolumen hier aufgeführt. Hinzu kommen aber noch eine Vielzahl von Einzelinvestitionen, die alle den Bausektor und den Immobiliensektor antreiben. Auch der Einzelhandel in der Stadt wächst mit der gesunden wirtschaftlichen Entwicklung mit. Nachdem die Höfe am Brühl fertiggestellt wurden, ist momentan das benachbarte Projekt Hainspitze in der Hainstraße die größte Investition, um Büro- und Einzelhandelsflächen in der Innenstadt bereit zustellen.
Die IHK-Leipzig gibt außerdem Auskunft über große Investitionsprojekte in den benachbarten Landkreisen Leipzig und Nordsachsen. Diese profitieren zunehmen von der Attraktivität Leipzigs. So verzeichnen mittlerweile einige Städte im Einzugsgebiet, wie Markkleeberg oder Taucha, auch eine Bevölkerungszunahme. Die meisten Investitionsgelder im Landkreis Leipzig fließen, außer in Infrastrukturprojekte von Schiene und Autobahn, in das Neuseenland. Im Landkreis Nordsachsen konzentrieren sich die meisten Investitionen auf den Logistikstandort Flughafen Halle/Leipzig. Dessen positive Entwicklung strahlt zunehmend auf die gesamte Region aus.

Montag, 17. Oktober 2011

Ende der Dresdner Chipkrise in Sicht?

Die sächsische Hauptstadt Dresden hat sich seit der Wiedervereinigung den Ruf eine erfolgreiche Metropole zu sein erarbeitet, in der der wirtschaftliche Aufbau Ost besonders gelungen ist. Der Standort Dresden ist besonders für seine Halbleiterindustrie bekannt. In Dresden siedelten sich ab den 90er Jahren im Gefolge der Leuchttürme AMD und Infineon viele weitere Unternehmen der High-Tech Branche an. Seither ist Dresden zu dem wichtigsten Zentrum der Halbleiterindustrie in Europa gewachsen.

Seit 2005 befindet sich aber genau diese Branche in einer langwierigen Krise, besonders weil die wachsende Konkurrenz aus Asien auf eine schwindende Nachfrage in Europa traf. Die Chipkrise in Europa traf den wichtigsten Standort in Dresden besonders stark. Die Industrieumsätze in der Stadt sind überproportional abhängig von der Branche. Ab 2005 wuchs das Dresdner BIP deswegen schwächer als im sächsischen Durchschnitt. Auch der konjunkturelle Einbruch während der weltweiten Finanzkrise war in Dresden besonders stark zu spüren und beide Krisen verstärkten sich gegenseitig. Von 2008 bis 2010 war der Industrieumsatz rückläufig. Im Jahr 2009 brach er sogar um fast 23 % ein.

Höhepunkt der Krise war die Insolvenz von Qimonda. Der Chip-Produzent, der ehemals ein Teil von Infineon gewesen ist, musste 2009 die Produktion einstellen. Kein Investor konnte sich finden und 3000 Arbeitsplätze gingen auf einen Schlag verloren. Damit war einer der großen industriellen Leuchttürme in der Stadt Geschichte und der Standort bangte um die Folgen, denn auch Zulieferer und Dienstleister gerieten in Gefahr.

Mittlerweile scheint sich die Situation wieder stark zu verbessern. 2010 war immer noch von leichten Umsatzverlusten der Industrie in Dresden gekennzeichnet, obwohl Deutschland bereits auf vollem Erholungskurs war. 2011 jedoch ziehen die Auftragseingänge in Sachsen deutlich an und die Industrie an der Elbe kann sich deutlich erholen. In der Halbleiterbranche Dresdens gibt es momentan sogar wieder mehr Arbeitsplätze als vor der Chipkrise.

Dazu passen die guten Nachrichten, die die großen Konzerne der Mikroelektronik für Dresden parat haben: Infineon hat sich im Sommer dazu entschieden, die weltweit erste Produktion der neuen 300-Millimeter-Wafer für Hochleistungselektronik hier zu starten und nicht in Malaysia. Dazu sollen 250 Millionen € investiert werden. Für den Schnäppchenpreis von 100 Millionen € hat der Münchner Konzern bereits die alten Hallen der Pleite gegangenen Qimonda gekauft. Das AMD-Werk Dresden operiert jetzt unter dem Namen Globalfoundries und gehört mehrheitlich einer Investorengruppe aus Abu Dhabi. Die Investoren haben neben dem Werk bereits eine neue Halle gebaut, die seit Mitte 2011 mit Maschinen eingerichtet wird. Insgesamt will Globalfoundries hier 2 Milliarden € reinstecken. Die gigantische Investition macht das Dresdner Werk zum größten Chipwerk Europas und bereits für dieses Jahr sind hunderte neue Stellen ausgeschrieben.

Umsatzwachstum und neue Arbeitsplätze – der Halbleiterstandort in Sachsen scheint eine Renaissance zu erfahren. Doch es machen sich schon wieder Sorgen um einen konjunkturellen Abschwung in der Branche breit. Dresden erhält viel Wohlstand und eine Menge Arbeitsplätze werden durch die Investitionen der Chipindustrie aufgebaut. Doch Dresdens Wirtschaft ist von seiner Leuchtturm-Industrie auch besonders abhängig.

Donnerstag, 26. Mai 2011

Chemnitzer Innenstadt Phase 2

Dieser Beitrag setzt die Reihe über die Innenstadtentwicklung der sächsischen Großstädte fort. Nachdem ich bereits über Dresden (Link) und Leipzig (Link) geschrieben habe, soll es nun um die Chemnitzer Innenstadt gehen. Chemnitz wurde im Zweiten Weltkrieg besonders stark zerstört und in der DDR-Zeit als sozialistische Vorbildstadt ausgebaut. Das Zentrum, die direkte Umgebung des Rathauses, blieb bis 1990 unbebaut, sodass nach der Wende eine komplette Innenstadt geplant werden musste. Die Chemnitzer Innenstadt hatte in den 90er Jahren mit mehreren großen Problemen zu kämpfen. Das Wegfallen vieler Industriearbeitsplätze und die staatliche Förderung von Eigenheimen führte zur Abwanderung der Bevölkerung aus innenstadtnahen Wohngebieten. Außerdem wurden in der Stadtperipherie große Einkaufszentren gebaut, die einen Großteil der Kaufkraft anzogen. So gab es in der Innenstadt weder Menschen, die dort wohnten, noch einkaufen gingen.

Nach 2000 begann man endlich mit der Bebauung des Zentrums. In dieser ersten Phase errichtete man Einkaufszentren, Geschäfts- und Bürogebäude am Markt und am Rathaus. Mittlerweile ist diese Phase abgeschlossen und Chemnitz hat eine erlebbare Innenstadt wiederbekommen. Nun gibt es einige Pläne, die man teils bereits begonnen und teils sogar schon fertig gestellt hat, für einen weiteren Ausbau der Innenstadt. Diese von mir zweite Phase der Innenstadtentwicklung genannten Pläne kann man so zusammenfassen: Ergänzung von Baulücken, Infrastrukturprojekt Chemnitzer Modell, Grünbereiche und TU-Campus.

Ergänzung von Baulücken (Bürgerhaus, Johannis-Karee, Rawema-Haus)

Bereits abgeschlossen ist das Projekt "Bürgerhaus" Chemnitz. Hier hat die Stadt einen Neubau hingesetzt, in dem sie einige Ämter konzentriert und so hofft die Innenstadt zu beleben. Die Architektur ist genauso Modern, wie die der ersten Phase und nimmt keinen Bezug auf alte historische Strukturen. Es bleibt abzuwarten, welche Impulse von dem Bürgerhaus ausgehen. Die Ämter haben jedenfalls ihren Umzug abgeschlossen und sind einfach über die Zentralhaltestelle zu erreichen. Des Weiteren wird kräftig in das Johannis-Karre investiert. Erstens wird das ehemalige Kaufhaus Schocken gerade zum Sächsischen Landesmuseum für Archäologie und Geschichte in bester City-Lage ausgebaut, das Rawema-Haus an der Straße der Nation wird umgebaut und soll eine Mischnutzung bekommen. Schließlich gibt es Pläne die Brache neben dem Schocken-Kaufhaus zu schließen.

Infrastrukturprojekt Chemnitzer Modell

Das so genannte Chemnitzer Modell hat zum Ziel, die Netze der Chemnitzer Straßenbahn und der Deutschen Bahn so zu verknüpfen, dass ohne Umsteigen die Bevölkerung des Chemnitzer Umlandes die Innenstadt erreichen kann. So sollen die dicht besiedelten Regionen im Umland, besonders das Erzgebirge, besser an die Stadt angebunden werden. Eine Pilotstrecke besteht bereits nach Stollberg im Erzgebirge. Zur Zeit wird die Einfahrt für die Straßenbahnen am Chemnitzer Hauptbahnhof gebaut. In der nächsten Ausbaustufe soll dann eine neue Linie den TU Campus auf der Reichenhainer Straße erreichen und weiter bis nach Thalheim führen. Danach soll eine weitere neue Linie das Chemnitz-Center im Norden der Stadt anlaufen und schließlich bis nach Limbach-Oberfrohna im Landkreis Zwickau führen. Schließlich steht noch eine Erweiterung der Pilotstrecke nach Oelsnitz im Erzgebirge zur Debatte. Insgesamt wird in das Projekt etwa 150 Millionen Euro investiert.

Grünbereiche

Zwei Projekte zum Thema mehr Grün in der Innenstadt gibt es. Zum einen soll es einen Grünstreifen entlang des ehemaligen Stadtwalls geben. Dieser Grüne Wall wurde bereits teilweise fertig gestellt verläuft bisher von der Theaterstraße bis zum Roten Turm. Er soll weiter bis zur Zentralhaltestelle geführt werden. Das zweite Projekt ist der Uferpark entlang des Chemnitz Flusses. Dazu wurde die Chemnitz am Falkeplatz bereits wieder frei gelegt. Ziel ist es, einen durchgängig begehbaren Uferbereich der Chemnitz in der Innenstadt zu schaffen.

TU-Campus in der Innenstadt (Link)

Zur Zeit hat die TU Chemnitz ihren Haupt-Campus an der Reichenhainer Straße und damit weit weg vom Chemnitzer Stadtzentrum. Die Uni möchte in der Stadt hinter dem Theaterplatz einen weiteren Standort etablieren. Dazu soll eine alte Fabrik, die Alte Aktienspinnerei, zur Zentralbibliothek ausgebaut werden. Auch sollen einige Neubauten auf der Fläche hinter dem Böttcherbau der TU entstehen. Die Stadt erhofft sich durch das Projekt eine Belebung des nördlichen Teils der Innenstadt. Die Planung befinden sich aber in einem frühen Stadium.

Freitag, 8. April 2011

Die Höfe von Leipzig

Hiermit setzte ich nun die Serie über die Innenstadtentwicklung der sächsischen Städte fort. Den ersten Teil der Serie hatte ich bereits über Dresden verfasst (Link). Heute soll es um Leipzig und seine innerstädtische Entwicklung gehen. Die alte Messestadt ist geprägt durch die zahlreiche Handelshöfe und Passagen, die früher als Messehäuser oder Handelshäuser errichtet wurden. Die erste Form, der so genannte Durchhof, entstand, um die Waren schnell von einer Straße in eine andere Straße transportieren zu können. Im 19. Jahrhundert schließlich kamen die Messehäuser auf. Das waren große Handelshäuser in denen die Leipziger Messen abgehalten wurden.

Was in Chemnitz produziert wird, wird in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst. Dieser Spruch aus dem 19. Jahrhundert charakterisiert die drei Städte als Industriestadt, Handelsstadt und politisches Zentrum. Entsprechend ist die Leipziger Innenstadt von den erhaltenen Messebetrieben geprägt. Besonders auf dem Höhepunkt des Leipziger Messestandorts - vor dem ersten Weltkrieg - entstanden viele massive Bauten im Stile der damaligen Zeit. 1910 war Leipzig auf dem Zenit seines Rufs als Handelsmetropole und hatte fast 600.000 Einwohner, genauso viele wie München, und war nach Berlin, Hamburg und München die viert größte Stadt im Deutschen Reich. Deshalb gibt es in Leipzig auch so ausgedehnte Gründerzeitwohngebiete aus der damaligen Zeit.

Doch die Leipziger Wirtschaft hatte stark unter der Inflationszeit nach dem Krieg zu leiden. Schließlich spaltete sich Europa in immer autarkere Wirtschaftseinheiten und der Außenhandel, die Grundlage für viele Messegeschäfte, war stark reduziert. Der endgültige Niedergang der Wirtschaft in Leipzig hatte mit der Machtübernahme der Nazis in Deutschland begonnen. Handel und Messen verloren stark an Bedeutung, da das Wirtschaftswachstum hauptsächlich durch Rüstungsproduktion in der Industrie getrieben wurde. Schließlich waren viele der Händler und Messeveranstalter in Leipzig Juden, die durch die Nazis enteignet, vertrieben bzw. getötet wurden. So war bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wenig vom ehemaligen Glanz der deutsch-jüdischen Handelstradition in Leipzig geblieben.

Nach der Wende verloren die Messehäuser ihre eigentliche Funktion, da in den 90er Jahren vor den Toren der Stadt das riesige neue Messegelände entstand. Bis heute wurden die meisten der Passagen restauriert und machen Leipzig mir ihren Geschäften zu einem interessanten Einzelhandelsstandort. Für Touristen hat die Mädler-Passage über Leipzig hinaus Bedeutung, da hier Auerbachs Keller ist, in dem der damalige Leipziger Student Goethe seinen Faust und Mephisto auftreten ließ.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Höfe und Passagen:
Königshaus (1707) - Link
Barthels Hof (1750) - Link
Handwerkerpassage (1846) - Link
Städtisches Kaufhaus (1901) - Link
Oelßner Hof (1908, heute noch unsaniert) - Link
Specks Hof (1909) - Link
Handelshof (1909) - Link
Kretschmanns Hof (1912) - Link
Mädlerpassage (1912) - Link
Zentral-Messepalast (1914) - Link
Jägerhof (1920) - Link
Messehof (1950) - Link

Das größte Bauprojekt zurzeit sind die Höfe am Brühl, ein riesiges Einkaufscenter in moderner Architektur. Damit wird eine große Brachfläche der Innenstadt geschlossen und die Einkaufstadt Leipzig um einen weiteren "Hof" erweitert. Bedeutend ist dieses Projekt nicht nur wegen seiner großen Fläche, sondern weil es ein moderner Handelshof ist, der die Tradition der Leipziger Handelsmetropole fortführt. In der Nähe des Hauptbahnhofs gelegen, wird hier der so genannte Brühl komplettiert. Der Brühl war einst die Hauptschlagader der Messestadt. Der Brühl galt seiner Zeit als die Weltstraße der Pelze. 1913 wurde ein drittel aller weltweit erstellten Felle über Leipzig gehandelt. Auf dem Höhepunkt beherbergte der Brühl 794 Pelzgeschäfte. In einem Haus alleine waren es sogar 34. Am Brühl, der Nikoleistraße und in der Umgebung finden sich auch heute noch die meisten der sanierten Handelshäuser. Der Brühl selber jedoch wurde im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und die Pelzhändler zogen nach Frankfurt am Main. Die neuen Höfe am Brühl sollen diese Narbe schließen und den Ausbau Leipzigs zur Dienstleistungs- und Handelsmetropole fortführen.

Samstag, 5. März 2011

Neumarkt Dresden

Ich will heute eine Serie zum Thema Städtebau in Sachsen mit der Landeshauptstadt Dresden starten. In Dresden stellt der Umgang mit der historischen Altstadt und die bauliche Entwicklung in und um das Dresdner Zentrum herum eine der wichtigsten kommunalen Themen dar. Dies verwundert nicht angesichts der starken Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg und dem Verlust wertvoller Architekturdenkmäler und bedeutender Kulturobjekte.

Schon zu DDR-Zeiten wurden viele der wichtigsten Baudenkmäler an der Elbfront wiederaufgebaut. Die moderne Architektur der DDR-Wiederaufbauzeit, die die beräumten Flächen in der Innenstadt wieder füllen sollte, vermochte jedoch nicht gegen die Pracht alter Bauten zu bestehen. Bis heute ist die Stadtplanung von der Spannung geprägt, die moderne Architektur von Neubauten gegenüber der barocken Altstadt erzeugt. In der Nachwendezeit ging die Rekonstruktion alter Bausubstanz in großen Sprüngen voran. Wichtigstes Projekt, welches in den letzten Jahren der DDR begonnen wurde und noch etwa ein Jahrzehnt bis zur kompletten Fertigstellung braucht, ist die Sanierung der Schlossruine und deren Ausbau zu einem Museumskomplex europäischen Ranges.

Städtebau fördert Wirtschaft und eine starke Wirtschaft ist Grundlage für die städtische Entwicklung. So war der schlechte Zustand der DDR-Wirtschaft besonders im Zustand der Altbauquartiere und in den Innenstädten sichtbar. Heute wird auf eine attraktive Innenstadt wert gelegt, um im Wettbewerb der Regionen um Fachkräfte und Investitionen bestehen zu können. Dresden kann mit seinen bedeutenden Kulturstätten, seiner prachtvollen Architektur und der schönen Landschaft an der Elbe punkten. Diese Stadt zieht viele Menschen an, die hier wohnen möchten. Aber auch der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Elbmetropole. In den Beherbergungsstätten Dresdens waren 2009 1,5 Millionen Gästeankünfte zu verzeichnen (Leipzig 1 Million, Chemnitz 200.000).

Eine der wichtigsten Wiederaufbauprojekte für Dresden war die Frauenkirche, die aus den Ruinen, die zu DDR-Zeiten als Kriegsmahnmal erhalten wurde, neu entstand. Mit der Wiedereröffnung 2005 erhielt die Stadt einen architektonischen Höhepunkt wieder zurück. Als die Stadtverwaltung plante die Umgebung der Kirche modern zu bebauen, gab es Proteste aus der Bürgerschaft, die eine der Frauenkirche angemessene Rekonstruktion der Barockbauten auf dem Neumarkt forderten. Mit großer Leidenschaft konnten die sich anschließend in der "Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden" zusammengeschlossenen Bürger gegen die Stadtverwaltung durchsetzten und erwirkten das Umlenken zu einem historisierenden Wiederaufbau des Platzes. Seitdem wird an einem der größten innerstädtischen Wiederaufbauprojekte Europas gearbeitet und darüber gestritten.

Der Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden läutete eine Zeit in Deutschland ein, in der sich die Menschen von den Eindrücken der Globalisierung geprägt ein Stadtbild wünschen, mit dem sie sich identifizieren können. Auch die Wiederaufbaupläne für das Stadtschloss in Berlin und das Hohenzollernschloss in Potsdam passen dazu. Das Projekt am Neumarkt geht jedoch noch einmal ein Stück weiter. Ein ganzes Stadtviertel wird rekonstruiert und alte Bautechniken und Handwerkskünste werden wiederbelebt. Mit seinem Prinzip der denkmalgerechten Wiederherstellung von so genannten Leitbauten ist der Dresdner Neumarkt Vorreiter in Deutschland. Davon angestoßen gibt es besonders in Frankfurt und in Potsdam ähnliche Bewegungen, die eine Rekonstruktion von Altstadtbauten erreichen wollen.

Hier ist die klassische Ansicht des Dresdner Neumarkts zu sehen. Die Frauenkirche wird, wie im barocken Städtebau üblich, als Höhepunkt wie auf einer Theaterbühne inszeniert.

Rundherum gibt es Bautätigkeit, die von einem sehr schönen Blog fotografisch festgehalten wird: Von www.bausituation-dresden.com stammen diese Bilder:
Hier ist ein Neumarktbereich zu sehen, wo einige neu gebaute Stadtquartieren fertig sind.

Hier entsteht die Rampische Gasse neu, die zu den prächtigsten Barockgassen Europas gehörte und deren Bausubstanz von den Kommunisten weggerissen wurde.
Hier hat die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden einen Altstadtbau aus Spendengeldern selbst gebaut.
Hier wurde ein altes Adelspalais, das "British Hotel" fertig und glänz mit seiner Sandsteinfassade.
Hier wurde das Kurländer Palais eröffnet. Die ausgebombte Ruine stand bis 2006 noch mitten in der Innenstadt.

Die Bauaktivitäten am Neumarkt ziehen sich bereits über 5 Jahre hin und es werden wohl noch ein mal so viele bis alle Quartiere fertig sind. Bei dem Aufbau eines kompletten Innenstadtviertels müssen eben viele Interessen unter einen Hut gebracht werden. Auch die Finanzkrise ist an den Investitionsvorhaben nicht spurlose vorüber gegangen. Doch in letzter Zeit ist wieder vermehr Bewegung ins Spiel gekommen und Investoren stehen bereit zu bauen (Bilder von der Seite der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden):

Hier entsteht eine Wohnresidenz im italienischen Piazettastil neu, die sich toll in die Altstadt einfügt.
Hier wird die Schlossstraße gerade aufgebaut. Das ist die Straße am Ostflügel des Schlosses, welcher gerade erst wieder restauriert wurde.
So soll mal die Westseite des Platzes aussehen, dafür hat die Dresdner Bürgerschaft gekämpft. Die Stadtverwaltung wollte hier einen modernen Entwurf als Gegensatz zur barocken Frauenkirche bevorzugen.
So soll der Jüdenhof vor dem Johanneum aussehen, das als einziges Gebäude auf dem Neumarkt in der DDR-Zeit wiederaufgebaut wurde.
Luftbild des Neumarkts, wie er nach Vorstellungen der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden wieder aussehen soll.

Samstag, 12. Februar 2011

Branchencluster in Sachsen

Branchencluster sind Netzwerke von Produzenten, Zulieferern, Dienstleistern und Forschungseinrichtungen, die in einer bestimmten Branche zusammenarbeiten und wirtschaften. Solche Netzwerke bilden sich in fortgeschrittenen Wirtschaften, da sie die Effizienz erhöhen, indem sie durch regionale Nähe die Zusammenarbeit erleichtern und Prozesse aufeinander abstimmen. Die Cluster sind damit Ausdruck einer Spezialisierung einer Region auf eine bestimmten Branche. Die vernetzten Firmen und Institutionen befruchten sich schließlich gegenseitig und prägen eine Wirtschaftsregion besonders stark. Internationale Beispiele für solche Cluster sind das Silicon Valley, die Automobilindustrie um Detroit oder die Softwareindustrie um Bangalore.

Auch in Deutschland gibt es eine Vielzahl von regionalen Branchenclustern. Sachsen hat die Entstehung der Cluster durch die so genannte Leuchtturm-Wirtschaftspolitik sehr stark gefördert. Europäische Fördergelder und Gelder des Bundes wurden verwendet um gezielt bestimmte Branchen in bestimmten Regionen anzusiedeln. Diese Politik soll aber nicht nur einzelne Großinvestitionen anlocken, sondern man erhofft sich im Zuge der Ansiedlung von Leuchttürmen viele Gründungen von Zulieferfirmen und Dienstleistungsunternehmen.

Die drei großen sächsischen Wirtschaftsstandorte Dresden, Leipzig und Chemnitz/Zwickau haben bei der Ansiedlung von Unternehmen und bei der Weiterentwicklung ihrer Wirtschaft ein jeweils eigenes Profil geschärft. So steht heute Dresden für Mikroelektronik, Leipzig für Logistik und Chemnitz für den Maschinenbau. Auffällig ist, dass alle drei Regionen durch Ansiedlung großer Automobilproduzenten eine weites Zuliefernetz in Sachsen etablieren konnten. Den Anfang machte VW mit seinem Werk in Mosel bei Zwickau und später dann mit der Gläsernen Manufaktur in Dresden und dem Motorenwerk in Chemnitz. In Leipzig baut Porsche und BMW Autos.

Die Autoindustrie hat einen besonders starke Wirkung auf die Entwicklung der mittelständischen Industrie in der Region, da die Werke von einer Vielzahl verschiedener Zulieferbetriebe beliefert werden. Der Chemnitzer Maschinenbau etwa hat wichtige Impulse aus der Automobilindustrie erhalten. Mittlerweile knüpft die Region Chemnitz an die ehemalige Stärke in dieser Branche wieder an. Unternehmen mit langer Tradition, wie Niles-Simmons, UNION Werkzeugmaschinen, Kieselstein und andere, sind heute wieder wichtige Treiber des wirtschaftlichen Wachstums.

Leipzig profiliert sich immer wieder durch große Ansiedlungen aus der Logistikbranche. Der Grund ist die günstige Lage Leipzigs und die gut ausgebaute Infrastruktur der Region. Leipzig liegt im mitteldeutschen Zentrum, von dem aus alle größeren Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen schnell zu erreichen sind. Der Flughafen Halle/Leipzig ist der größte in dieser Region und veranlasste DHL durch die Möglichkeit von Nachtflügen eine großes Drehkreuzes zu errichten. Auch die Autobahnen sind in der Region gut ausgebaut - ein Grund für Amazon sich hier anzusiedeln. Die Automobilindustrie spielt auch in Leipzig eine positive Rolle für die Weiterentwicklung des Logistikstandorts. Zum Beispiel folgte auf die Ankündigung des Ausbaus des BMW-Werkes die Nachricht, dass DB Schenker ein neues Logistikzentrum mit 600 neuen Arbeitsplätzen in Leipzig errichtet, um die Autos und Ersatzteile von BMW nach China liefern zu können.

Dresden wiederum hat sich durch gezielte Förderung zum größten europäischen Cluster im Bereich der Mikroelektronik/Informations- und Kommunikationstechnologie entwickelt. Neben den großen der Branche, AMD, Infineon und Globalfoundries, haben sich viele Firmen angesiedelt oder wurden hier gegründet. Dabei profitiert Dresden von einer starken Forschungslandschaft, in der viele wissenschaftliche Institute und die TU Dresden miteinander vernetzt sind. Die Region nennt sich Silicon Saxony in Anspielung auf das kalifornische Cluster. Dresden hatte in der Wirtschaftskrise relativ stark zu leiden unter der Insolvenz des wichtigen Leuchtturms Qimonda, das zu Infineon gehörte. Mittlerweile hat sich die Branche aber wieder erholt und Globalfoundries etwa hat angekündigt sein Werk auszubauen und die Produktion zu verdoppeln.

Montag, 4. Oktober 2010

Sachsens S21

S21 das steht für das Baden-Württembergische Mamutprojekt, das die Region infrastrukturell ins 21. Jahrhundert bringen soll. Mit dem Umbau des Stuttgarterhauptbahnhofs und die Verlegung des gesamten Schienenverkehres unter die Erde gehen auch Proteste Hand in Hand. Die hohen Kosten und der fragwürdige Nutzen wird moniert. Die Proteste haben sich in letzter Zeit besonders auf den Schutz der Bäume im Stuttgarter Schlosspark konzentriert, die dem Projekt erst einmal weichen sollen.

Auch Sachsen baut derzeit an 3 wichtigen Infrastrukturprojekten, bei denen auch von der Politik auf die Zukunftsbedeutung hingewiesen wird. Sie sollen den Standort Sachsen attraktiver machen. Sie erzeugen allerdings auch hohe Kosten und greifen in die Natur ein.

Dresdner Waldschlößchenbrücke (Kosten: 157 Millionen Euro)

Man könnte sagen, diese Brücke über die Elbe ist in Dresden so umstritten wie das Bahnhofsprojekt S21 in Stuttgart ist. Die Elbüberquerung wird von den Befürwortern als wichtiges Projekt für den Straßenverkehr verteidigt. Die Gegner kritisieren den schweren Eingriff in die einmalige Naturlandschaft des Elbtals. Die Auseinandersetzung gipfelte schließlich in der Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels für das Elbtal inklusive der Dresdner Altstadt. Die Dresdner haben generell eine sehr leidenschaftliche Diskussionskultur, wenn es um Bauprojekte in dieser kriegszerstörten aber stolzen Stadt geht. Entsprechend verhärtet sind die Fronten, die Bürgerschaft ist polarisiert und das Thema entzweit sogar Familien.
http://de.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Br%C3%BCckenstreit

Leipziger City-Tunnel (Kosten: 960 Millionen Euro)

Das Mega-Projekt schlechthin wird allerdings zurzeit in Leipzig durchgeführt. Für fast eine Milliarde Euro wird die Leipziger City untertunnelt. In dem Tunnel soll der S-Bahn-Verkehr auf einer Nord-Süd-Achse vom Hauptbahnhof unter dem Markt bis zum Bayrischen Bahnhof unter die Erde gelegt werden. Damit erhält Leipzig ein umfassendes S-Bahnnetz, dass auch den Regionalverkehr des Leipziger Südens mit dem Hauptbahnhof verbindet. Die Kritik richtet sich allerdings auf die ausufernden Kosten des Projekts. So haben sich nach aktuellem Stand die geschätzten Baukosten im Vergleich zu den Planungen fast verdoppelt.
http://www.citytunnelleipzig.de/

A72 Chemnitz-Leipzig (Kosten: 470 Millionen Euro)

Während Dresden mit Leipzig und Chemnitz durch gut ausgebaute Autobahn verbunden ist, wird an der Verlängerung der A72 von Chemnitz-Nord nach Leipzig immer noch gebaut. Baubeginn war 2003 und die Autobahn sollte zur Fußball-WM 2006 fertig sein. Bis jetzt ist nur ein winziges Teil fertig, auf einem langen Abschnitt laufen die Bauabreiten und die Planung besagt, die Autobahn wird 2020 vollständig fertig sein. Das ist eine lächerlich lange Zeit für eine Verbindung zwischen den zwei größten Ballungsräumen in Mitteldeutschland Leipzig-Halle und Chemnitz-Zwickau.
http://www.a-72.de/

Diese 3 Infrastrukturprojekte sind die S21 der Sachsen. Allerdings sind die Kosten, die Wirkung und die Auseinandersetzung im Vergleich zum 4 Milliarden Euro Bahnhofsprojekt der Schwaben natürlich etwas kleiner.