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Dienstag, 8. Januar 2013

Ausblick 2013

Zum Jahresanfang 2013 ein kleiner Ausblick zur wirtschaftlichen Lage in Sachsen im neuen Jahr. Sachsen spürt wie ganz Deutschland mittlerweile die Auswirkungen der Krise in Europa und der Winter 2012/13 wird eine deutliche Delle in der Konjunktur hinterlassen. Das Bruttoinlandsprodukt wird in Sachsen in 2012 nach ersten vorsichtigen Prognosen so gut wie gar nicht gewachsen sein. Das lag hauptsächlich am schwachen Jahresende. Die Wachstumsrate liegt damit weiter etwas unter Bundesdurchschnitt. Für das Jahr 2013 erwartet das Ifo-Institut eine leichte Belebung. Das Wachstum in Sachsen könnte auf etwa 0,5 % steigen, bleibt allerdings wahrscheinlich weiter hinter Gesamtdeutschland zurück.

Nach einem langsamen Winter soll die Konjunktur ab Mitte des neuen Jahres wieder anziehen. Bislang war der Winter äußerst mild, was der Baukonjunktur wahrscheinlich hilft. Dadurch kann vielleicht die schwache Produktion in der Industrie etwas abgefedert werden. Die Arbeitslosenquote in Sachsen lag im Dezember 2012 bei 9,4 % und damit trotz saisonüblicher Erhöhung zum Vormonat um 0,4 % unter dem Niveau von Ende 2011. In Deutschland konnte nur Berlin die Arbeitslosenquote noch stärker senken. Diese gute Entwicklung am Arbeitsmarkt wird sich wohl auch 2013 fortsetzen. Allerdings wird mit weniger starker Verbesserung gerechnet als Sachsen in den letzten Jahren seit der Krise erreichen konnte. Die geringste Quote Ende 2012 unter den Landkreisen im Freistaat konnte Zwickau mit 8,3 % erreichen. Die höchste wurde aus Görlitz mit 12,4 % gemeldet.

Die Einwohnerentwicklung 2013 in Sachsen ist mit Spannung zu erwarten. Getrieben von starken Wanderungsgewinnen in Dresden und Leipzig könnte der Bevölkerungsverlust im neuen Jahr fast zum Stillstand kommen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen seit der Krise hat bereits viele Jobs entstehen und die Erwerbstätigenzahl steigen lassen. Dadurch hatte Sachsen im Jahr 2011 erstmals seit 1997 wieder einen Wanderungsgewinn zu verzeichnen. Der Freistaat hat außerdem den Vorteil, dass Dresden und Leipzig vom Trend zu den großen Städten profitiert. Ob als Touristenziel oder als Wohn- und Arbeitsort, in ganz Deutschland werden die Metropolen attraktiv. Dies kann auch in Sachsen beobachtet werden. Investitionen in den Häusermarkt der beiden Städte steigen stark und das hat auch mit den positiven Wachstumsaussichten der Halbmillionenstädte zu tun.

2013 in Sachsen wird außerdem spannend, weil einige Großprojekte beendet werden sollen. Das wichtigste Infrastrukturprojekt ist die Inbetriebnahme des mitteldeutschen S-Bahnnetzes in Leipzig und Halle. Für Ende des Jahres ist die Eröffnung des City-Tunnels in Leipzig geplant. Der 1 Mrd. Euro teure Tunnel führt bereits unter der Leipziger Innenstadt vom Hauptbahnhof in die Innenstadt. Ab Ende dieses Jahres wird das S-Bahnnetz in der Region grundlegend umgestaltet sein. Auch die Verlängerung der A72 von Chemnitz in Richtung Leipzig soll 2013 ein gutes Stück vorankommen. Ab Mitte des Jahres soll immerhin die Strecke von Chemnitz bis nach Borna fertig sein.

Auch Dresden erwartet 2013 die Fertigstellung eines wichtigen Infrastrukturprojektes. Die Waldschlößchenbrücke über die Elbe soll im Frühling zur Befahrung bereit sein. Auch will Dresdens größter privater Arbeitgeber, der Chiphersteller Globalfoundries, 2013 die Produktion massiv ausweiten. Dazu sollen in diesem Jahr Produktionsanlagen aus den USA nach Dresden importiert werden. Der Eletronik- und Halbleiterstandort an der Elbe wächst also weiter. Der Automobilstandort Sachsen wird 2013 auch kräftig wachsen. In Leipzig will dann Porsche seinen Werksausbau beendet haben und ein neues Modell vom Band laufen lassen. Und auch BMW wird Ende des Jahres die Produktion seines neuen E-Autos i3 in Leipzig anwerfen. Hunderte neue Stellen entstehen bis dahin. Wird dann von Leipzig aus die E-Mobilität den deutschen Automarkt revolutionieren?

Montag, 17. Oktober 2011

Ende der Dresdner Chipkrise in Sicht?

Die sächsische Hauptstadt Dresden hat sich seit der Wiedervereinigung den Ruf eine erfolgreiche Metropole zu sein erarbeitet, in der der wirtschaftliche Aufbau Ost besonders gelungen ist. Der Standort Dresden ist besonders für seine Halbleiterindustrie bekannt. In Dresden siedelten sich ab den 90er Jahren im Gefolge der Leuchttürme AMD und Infineon viele weitere Unternehmen der High-Tech Branche an. Seither ist Dresden zu dem wichtigsten Zentrum der Halbleiterindustrie in Europa gewachsen.

Seit 2005 befindet sich aber genau diese Branche in einer langwierigen Krise, besonders weil die wachsende Konkurrenz aus Asien auf eine schwindende Nachfrage in Europa traf. Die Chipkrise in Europa traf den wichtigsten Standort in Dresden besonders stark. Die Industrieumsätze in der Stadt sind überproportional abhängig von der Branche. Ab 2005 wuchs das Dresdner BIP deswegen schwächer als im sächsischen Durchschnitt. Auch der konjunkturelle Einbruch während der weltweiten Finanzkrise war in Dresden besonders stark zu spüren und beide Krisen verstärkten sich gegenseitig. Von 2008 bis 2010 war der Industrieumsatz rückläufig. Im Jahr 2009 brach er sogar um fast 23 % ein.

Höhepunkt der Krise war die Insolvenz von Qimonda. Der Chip-Produzent, der ehemals ein Teil von Infineon gewesen ist, musste 2009 die Produktion einstellen. Kein Investor konnte sich finden und 3000 Arbeitsplätze gingen auf einen Schlag verloren. Damit war einer der großen industriellen Leuchttürme in der Stadt Geschichte und der Standort bangte um die Folgen, denn auch Zulieferer und Dienstleister gerieten in Gefahr.

Mittlerweile scheint sich die Situation wieder stark zu verbessern. 2010 war immer noch von leichten Umsatzverlusten der Industrie in Dresden gekennzeichnet, obwohl Deutschland bereits auf vollem Erholungskurs war. 2011 jedoch ziehen die Auftragseingänge in Sachsen deutlich an und die Industrie an der Elbe kann sich deutlich erholen. In der Halbleiterbranche Dresdens gibt es momentan sogar wieder mehr Arbeitsplätze als vor der Chipkrise.

Dazu passen die guten Nachrichten, die die großen Konzerne der Mikroelektronik für Dresden parat haben: Infineon hat sich im Sommer dazu entschieden, die weltweit erste Produktion der neuen 300-Millimeter-Wafer für Hochleistungselektronik hier zu starten und nicht in Malaysia. Dazu sollen 250 Millionen € investiert werden. Für den Schnäppchenpreis von 100 Millionen € hat der Münchner Konzern bereits die alten Hallen der Pleite gegangenen Qimonda gekauft. Das AMD-Werk Dresden operiert jetzt unter dem Namen Globalfoundries und gehört mehrheitlich einer Investorengruppe aus Abu Dhabi. Die Investoren haben neben dem Werk bereits eine neue Halle gebaut, die seit Mitte 2011 mit Maschinen eingerichtet wird. Insgesamt will Globalfoundries hier 2 Milliarden € reinstecken. Die gigantische Investition macht das Dresdner Werk zum größten Chipwerk Europas und bereits für dieses Jahr sind hunderte neue Stellen ausgeschrieben.

Umsatzwachstum und neue Arbeitsplätze – der Halbleiterstandort in Sachsen scheint eine Renaissance zu erfahren. Doch es machen sich schon wieder Sorgen um einen konjunkturellen Abschwung in der Branche breit. Dresden erhält viel Wohlstand und eine Menge Arbeitsplätze werden durch die Investitionen der Chipindustrie aufgebaut. Doch Dresdens Wirtschaft ist von seiner Leuchtturm-Industrie auch besonders abhängig.

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Sachsen ist Spitzenreiter bei Schuldenabbau

Laut einer neuen Studie der INSM ist Sachsen das Vorzeigeland unter den deutschen Bundesländern, wenn es um die Konsolidierung des Staatshaushaltes geht. Zuerst einmal hat Sachsen bereits den geringsten Schuldenstand pro Einwohner. Statistisch steht jeder Sachse mit 1.565 € in der Kreide, wenn man nur den Landeshaushalt betrachtet. Zum Vergleich: bei den Thüringern ist das über 7.000 € und in Sachsen-Anhalt fast 9.000 €. Durch die niedrige Verschuldung in Sachsen muss nur 89 € pro Einwohner an Zinsen gezahlt werden. Thüringen bezahlt hingegen 287 € und Sachsen-Anhalt 342 € pro Einwohner. Ich vergleiche hier Sachsen mit seinen beiden mitteldeutschen Nachbarländern, weil man ja behaupten könnte, dass Sachsen von Fördermitteln des Bundes und der EU und vom Länderfinanzausgleich profitiert und dadurch seinen Haushalt entlasten kann. Die beiden Nachbarn aber haben praktisch dieselben strukturellen Probleme und profitieren von ähnlichen Förderprogrammen und lassen daher einen guten Vergleich zu.

Da der Schuldenstand im Freistaat so niedrig ist, ist der Konsolidierungsdruck eigentlich eher gering. Trotzdem und gerade mit Blick auf die demographische Entwicklung zieht Sachsen die Bekämpfung des Haushaltsdefizits besonders effektiv durch. Laut den der INSM-Studie zugrundeliegenden Zahlen soll sich das sächsische Defizit bereits dieses Jahr in einen Überschuss verwandeln. Das Defizit lag letztes Jahr bei über 400 Millionen €, dieses Jahr sollen über 50 Millionen in schwarzen Zahlen dastehen und bis 2013 wird voraussichtlich der Überschuss auf über 300 Millionen € anwachsen. Mit der Entwicklung des Haushalts bis 2013 ist Sachsen damit Spitze. Bis zu diesem Jahr sollen auch Thüringen, Sachsen-Anhalt sowie Baden-Württemberg leicht ins Plus drehen.

Der Schuldenabbau des Musterschülers Sachsen wird aber nicht nur mit Applaus begleitet. Die meisten Einsparmaßnahmen werden oft mit viel Kritik begleitet. Dem Schuldenabbau und der damit verbundene Erweiterung des Handlungsspielraums der Landesregierung wird in den Medien wenig Beachtung geschenkt. Die Kreisreform, die Synergien durch Zusammenlegung von Behörden bringen sollte, wurde gegen großen Widerstand durchgesetzt. Auch die gerade geplante Behördenreform in Sachsen, die die Verringerung des Personalbestandes und die Steigerung der Effizienz durch weitere Zusammenlegung von Behörden vorsieht, wird mit großer Kritik begleitet. Ein Dauerbrenner ist auch die Reform der Polizei in Sachsen und die Schließungen von Schulen.

Es ist in der Tat eine schwierige Frage, ob es denn für Sachsen so gut ist einen solch rigorosen Konsolidierungskurs zu verfolgen. Sachsen leistet sich wenig, kann aber dadurch seine Handlungsfähigkeit erweitern. Doch die Konsolidierung bremst auch die aktuelle Wirtschaft in gewissem Maße, da die Staatsausgaben zurückgehen bzw. weniger stark wachsen. Die Landesregierung ist durch die geringe Verschuldung in der komfortablen Lage hohe staatliche Investitionen zu tätigen. Die Investitionsquote des sächsischen Haushaltes ist die höchste in Deutschland. Dies ist eine effiziente Verwendung des gewonnen Handlungsspielraumes. Würde man aber die Konsolidierung weniger stark vorantreiben, hätte man mehr Mittel zum Beispiel für Förderung des Ausbaus der Infrastruktur. Außerdem könnte das Land den Kommunen, die teilweise hoch verschuldet sind, unter die Arme greifen.

Dienstag, 16. August 2011

Beste Zukunftsperspektiven für Leipzig und Dresden

Die Standorte Leipzig und Dresden haben sehr gute Noten von dem Feri-Institut erhalten. Das Forschungsinstitut hat für die Zeitschrift Capital deutsche Städte auf ihre Zukunftsperspektiven hin untersucht. Dabei waren die drei ostdeutschen Städte Leipzig, Dresden und Jena große Gewinner und landeten in den Top 10. Leipzig machte im Vergleich zum letzten Ranking 15 Plätze gut und kam dieses Jahr auf Rang 4 direkt hinter Hamburg, München und Frankfurt. Dresden verbesserte sich um 7 Plätze auf Rang 6. Zwischen die beiden sächsischen Metropolen schiebt sich noch Düsseldorf auf Rang 5. Aus Sicht des Institutes kann also die Standortattraktivität von Leipzig und Dresden mit den Schwergewichten der westdeutschen Wirtschaft mithalten. Eine erfreuliche Nachricht für Mitteldeutschland ist auch der Aufsteiger Jena: 17 Plätze ging es rauf - nun auf die 10.

Leipzig kann sich laut der Studie in Zukunft auf starkes Bevölkerungswachstum, mehr Arbeitsplätze und steigende Kaufkraft freuen. In der Tat gab es in letzter Zeit einige Investitionsankündigungen von Großkonzernen in Leipzig und einige Unternehmen sind bereits dabei ihre Werke zu erweitern. Insbesondere die beiden Automobilhersteller BMW und Porsche wollen den Standort Leipzig kräftig ausbauen. BMW kündigte an, sein Elektrofahrzeug in Leipzig in Serie gehen zu lassen und dazu mehrere hundert Millionen Euro zu investieren. Der Logistikkonzern Schenker feierte letzten Monat im Norden Leipzigs Richtfest für sein neues Zentrum, dass sich komplett auf die Logistik für die Automobilindustrie spezialisiert. Das ist nicht die einzige gute Nachricht des Leipziger Logistikstandortes: Das europäische Drehkreuz von DHL am Flughafen Halle/Leipzig wächst kräftig. DHL und Amazon schaffen zurzeit hunderte neue Arbeitsplätze.

Die wirtschaftliche Attraktivität Leipzigs und auch Dresdens spiegeln sich auch im Bevölkerungswachstum der beiden Städte wider. Neue Zahlen vom ersten Halbjahr 2011 zeigen: die beiden größten Städte Sachsens wachsen entgegen dem ostdeutschen Trend kräftig. Leipzig legte dabei sogar noch dynamischer zu als Dresden: um 1,5 % wuchs die Bevölkerung in einem Jahr auf nun fast 525.000. Dresden hat jetzt etwas mehr als 524.000 Einwohner und damit 1,2 % mehr als letztes Jahr. Die beiden sächsischen Metropolen liefern sich also ein Kopf an Kopf Rennen um den Titel größte Stadt Sachsens und damit größte Stadt Ostdeutschlands nach Berlin. Beide Wirtschaftszentren haben ihre Spezialisierung gefunden: Leipzig in Logistik, Automobilindustrie und Dienstleistungsstandort, Dresden in der Elektronik- und High-Tech-Branche. Die Aussichten für beide Standorte sind hervorragend.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Entwicklung der sächsischen Industrie 2010

Das Wachstum der Industrie in Sachsen ist seit einigen Jahren wieder die treibende Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung. Nach den schwierigen Neuordnungen der Nachwendezeit und der teilweisen Deindustrialisierung, wächst der Industriesektor mit jährlich etwa 10 %. Das Verarbeitende Gewerbe stellt ein gutes Konjunkturbarometer dar, denn der Zustand des Welthandels spiegelt sich in den Exporten von Gütern wie Autos, Elektronik und anderes wider. Auch beeinflusst die industrielle Entwicklung weitere Teile der Wirtschaft, so erhält das Baugewerbe Aufträge, unternehmensnahe Dienstleistungen werden nachgefragt und die steigende Beschäftigung führt zu erhöhtem Konsum. Nicht zu letzt stehen Daten zur Industrie schneller zur Verfügung als Daten des Bruttoinlandsproduktes.

Die industrielle Produktion wurde im Krisenjahr 2009 in Sachsen wie in ganz Deutschland stark gebeutelt. In Sachsen sank der Umsatz um 17,3 % zum Vorjahr ab. Seit 2010 geht es wieder aufwärts. Allerdings ist ein so starker Einbruch nicht einfach wieder aufzuholen. 2010 sind die Umsätze immerhin wieder um 12,4 % gestiegen, sie liegen aber mit 54,4 Milliarden € noch unter dem Wert von 2007. Ich habe bereits in einem anderen Beitrag (Link) erwähnt, das Sachsen in der Entwicklung des BIP im Jahr 2010 hinter anderen Bundesländern zurückgeblieben ist. Auch das Wachstum der industriellen Produktion ist zwar recht hoch in Sachsen, aber nicht so extrem gut wie in anderen Bundesländern.

Die industrielle Erholung wurde 2010 in Sachsen wie auch in ganz Deutschland von der Automobilindustrie angeführt. Der wichtige Wirtschaftszweig steigerte seine Umsätze um 28,7 %. Andere wichtige Branchen in Sachsen wie der Maschinenbau mit +4,2 % und die Elektronikindustrie mit +6,7 % entwickelten sich dagegen sehr verhalten und konnten noch nicht von dem Aufschwung profitieren.

Auch regional zeigt sich ein deutlich differenziertes Bild. Den stärksten Zuwachs hatte die Industrie in Leipzig mit +26,9 %, hingegen schrumpfte die Industrie in Dresden mit -1,2 %. Leipzig profitiert stark von der Präsenz von BMW und Porsche in der Stadt. In Dresden hingegen hat besonders die Halbleiterindustrie große Schwierigkeiten. Schon seit Jahren hat die Landeshauptstadt ein recht mageres Industriewachstum. Dadurch liegt Dresden nun auch in absoluten Werten mit 6 Milliarden € Umsatz deutlich hinter Leipzig mit etwa 7 Milliarden € Umsatz 2010.

Industrielles Kraftzentrum Sachsens ist allerdings Zwickau: die Industrie im Landkreis schaffte letztes Jahr fast 7,9 Milliarden € Umsatz. Im Wachstum von +21,6 % spiegelt sich die erfolgreiche Entwicklung von VW und seiner Zulieferindustrie im Landkreis wider. Auch der benachbarte Erzgebirgskreis erreichte ein Wachstum von +23,9 % - allerdings von einem recht niedrigem absoluten Niveau aus. Insgesamt kann man feststellen, dass die gute Entwicklung des Industrieumsatzes in der Region Chemnitz-Zwickau auch dazu beigetragen hat die Arbeitslosigkeit der Region letztes Jahr stark zu senken. Im Direktionsbezirk Chemnitz liegt die Arbeitslosigkeit niedriger als in Dresden oder Leipzig, auch wenn die Stadt Chemnitz nur ein recht unspektakuläres Industriewachstum von +10,4 % schafft.

Mit Blick auf den Jahresbeginn 2011 kann man sagen, dass die Industrie deutlich angezogen hat. Aktuell sieht es daher in Sachsen noch besser aus als 2010. Der XXL-Aufschwung scheint mit etwas Verzögerung auch im Freistaat angekommen zu sein. Erste Prognosen für das BIP im 1. Quartal 2011 sagen für Ostdeutschland einen Wachstumsschub von 1,8 % zum Vorquartal voraus, in Deutschland insgesamt sollen es 1,5 % sein. Quartalszahlen zum Vorquartal sind immer kleine Zahlen und ein Wachstum von über 1 % ist sehr kräftig.

Auch die ersten Daten zur Industrie bestätigen das. Der März 2011 war der umsatzstärkste Monat aller Zeiten in Sachsen. Nachdem 2010 der Aufschwung von der Automobilbranche getragen wurde, ziehen jetzt auch andere Branchen nach und besonders im Maschinenbau ist die Stimmung hervorragend. Man kann durch die guten Zahlen hoffen, dass 2011 auch Sachsen einen großen Anstieg des BIP verzeichnen kann. Aktuelle Prognosen gehen für Deutschland wieder von einem Wachstum von über 3 % in diesem Jahr aus, nach dem 2010 schon 3,6 % erzielt wurden. Vielleicht kann Sachsen diesmal mit den westdeutschen Bundesländern mithalten.

Freitag, 13. Mai 2011

Sachsen - das Technologieland

Sachsen profiliert sich gern - wie jeder andere Standort in Deutschland auch - als Technologieland. Die Regierung des Freistaats lenkt dazu gezielt Fördermittel in zukunftsträchtige Branchen. Es ist allgemein anerkannt, dass technologischer Fortschritt der treibende Faktor des Wirtschaftswachstums ist. Das trifft besonders zu, wenn der Produktionsfaktor Arbeit in langer Frist schrumpfen wird, da die Bevölkerung abnimmt. Den staatlichen Einfluss auf die Technologieentwicklung kann man wirtschaftstheoretisch aber aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Staatliche Unterstützung der Forschung wird zumeist damit begründet, dass sich Zukunftstechnologien nicht so einfach am Markt durchsetzen, wenn sie noch nicht reif sind. Solange aber die Marktreife noch nicht erreicht ist, lohnt es sich kaum für Unternehmen in die jeweilige Technologie zu investieren. Folglich würde ohne die entsprechende staatliche Förderung die Forschung und Entwicklung nicht zustande kommen. Da niemand weiß, welche Technologien in der Zukunft sich durchsetzten werden, sind die Risiken für Investitionen in Forschung in manchen Fällen prohibitiv hoch.

Mit der unsicheren Zukunft, kann man aber auch gegen staatliche Unterstützung von Forschung argumentieren. Denn der Staat hat keine besseren Informationen, welche Technologie sich in der Zukunft durchsetzen wird. Die Gefahr besteht also, dass der Staat dann viel Geld in die falsche Richtung lenkt. Der Markt hingegen siebt aus dieser Sicht die weniger aussichtsreichen Technologien aus. Vorausgesetzt die Preissignale am Markt sind korrekt, setzt sich die "richtige" Technologie am Markt automatisch durch.

Gerade wenn es um die Zukunft der Mobilität geht, kann man aber davon ausgehen, dass die Preissignale auf dem Markt nicht korrekt sind. Autos mit Verbrennungsmotoren belasten die Umwelt. Für diese Schädigung des Klimas muss aber kein Autofahrer direkt aufkommen. Deshalb fördert Deutschland massiv die Entwicklung von Elektroautos. Auch Sachsen als traditioneller Automobilstandort will beim Thema Zukunft der Mobilität mitmischen.

Ein Meilenstein für diese Strategie war die Entscheidung von BMW sein Elektroauto (das Megacity Vehicle) in seinem Werk in Leipzig zu bauen. Dazu soll das bestehende Werk bis 2013 durch Investition eines dreistelligen Millionenbetrages erweitert werden. Dabei sollen 800 neue Arbeitsplätze in Leipzig entstehen - ein enormer wirtschaftlicher Gewinn für die Stadt. Der Staat fördert die Elektromobilität in Sachsen durch ein Projekt namens SaxMobility. Sachsen ist dabei eine von deutschlandweit acht Modellregionen und bekommt von der Bundesregierung neun Millionen Euro. Das Engagement der sächsischen Regierung zum Thema Elektromobilität war wohl auch ein Grund für die Entscheidung von BMW für Leipzig als Produktionsstandort.

Ein zweites Standbein der Initiative zur Elektromobilität in Sachsen ist die Entwicklung und Serienproduktion von geeigneten Batterien, die eine sehr hohe Lademenge speichern können müssen. Die deutschen Konzerne Evonik und Daimler engagieren sich bei Li Tec Battery GmbH in Kamenz, östlich von Dresden. Hier wurden spezielle Batterien für Elektroautos entwickelt und die Produktion soll ab diesem Jahr stark erhöht werden. Evonik hat bisher 150 Millionen Euro in den Standort investiert und Ende des Jahres sollen in dem Werk 450 Mitarbeiter beschäftigt sein.

In Deutschland wird im Moment diskutiert, ob der Staat die Elektromobilität stärker fördern sollte. Bereits jetzt ist Sachsen relativ gut aufgestellt, um von einer Zunahme von Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben auf Deutschlands Straßen zu profitieren.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Wirtschaftsaussichten im neuen Jahr

Im neuen Jahr liegt die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum Deutschlands im zurückliegenden Jahr 2010 vor. Eine Rate von 3,6 % beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lässt alle jubeln und verspricht ein schnelles Erreichen des Produktionsniveaus vor der Krise. Auch die Aussichten für das angefangene Jahr 2011 sind hervorragend. Die Industrie hat volle Auftragsbücher, eine sinkende Arbeitslosenzahl lässt auf Wachstum des Konsums hoffen und das Investitionsklima ist weiterhin gut. Die größten Gefahren für den anhaltenden Aufschwung der deutschen Wirtschaft sind jedoch eine instabile Situation im Euroraum und Sparzwänge des Staates in folge der hohen Verschuldung. Trotzdem steht Deutschland unter den großen Industriestaaten heute so wirtschaftlich gesund da wie schon lange nicht mehr.

Wie steht nun Sachsen im neuen Jahr da? Regionalisierte Wachstumsdaten für die deutschen Bundesländer stehen noch nicht zur Verfügung, aber wahrscheinlich wird Sachsen mit einer etwas unterdurchschnittlichen Rate wachsen. Die exportorientierte Industrie hat in 2010 am meisten aufgeholt und daher werden Länder wie Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg stark gewachsen sein. Sachsen hat eine geringere Exportquote als diese Länder und wird daher etwas weniger von dem Aufschwung profitieren. Trotzdem ziehen die Investitionen der Unternehmen Sachsen hoch. Der Freistaat profitiert etwas verzögert von dem Boom der besonders Süddeutschland erfasst. Nach hohen Auftragseingängen der dort ansässigen Großkonzerne können die auch ihre Produktion in den sächsischen Fabriken ausweiten und damit die regionale mittelständische Wirtschaft stimulieren.

Auch der Arbeitsmarkt in Sachsen zeigt sich aktuell robust, auch wenn im Dezember 2010 die Arbeitslosigkeit durch den frühen Wintereinbruch leicht auf 11,1 % gestiegen ist. Dieser Wert liegt im ostdeutschen Mittel (11,2 %), aber immer noch deutlich über dem gesamtdeutschen Wert von 7,2 %. In der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und im Beschäftigungsaufbau macht besonders Leipzig große Fortschritte. Leipzigs Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 12,9 %, weiter hin höher als die von Chemnitz oder Dresden, aber deutlich reduziert im Vergleich zu den sehr hohen Zahlen noch vor einem Jahr (15,1 %, eine Reduktion um 2,2 %). Dresden wird wohl im Jahr 2010 stark gewachsen sein und mit an der Spitze der Wirtschaftsentwicklung stehen. Dresdens Arbeitslosenquote hat sich in einem Jahr von 11,6 % auf 10,5 % verbessert (Reduktion um 1,1 %). Auch Chemnitz gelingt ein Abbau der Arbeitslosigkeit von 13,3 % auf heute 11,5 % (Reduktion um 1,8 %).

Wirtschaftlich weiterhin stark ist in Sachsen die Region Freiberg/Mittelsachsen. Die Bergstadt hat im vergangenen Jahr mit der Ansiedlung des nationalen Rohstoffinstitutes, das die Rohstoffbeschaffung Deutschlands sichern soll, aufsehen erregt. Die Region hat mit 9,7 % die niedrigste Arbeitslosenquote in Sachsen. Als Sorgenkind unter den ländlichen Regionen kristallisiert sich das Grenzgebiet zu Polen heraus. Der Landkreis Görlitz hat mit 14 % die höchste Arbeitslosenquote in Sachsen.

Alles in allem stellt sich aber eine robuste Ausgangslage für das neue Jahr dar. Sachsen große Städte Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg werden in diesem Jahr die Zugpferde der Entwicklung sein. Die niedrigen Lohnstückkosten in Sachsen helfen seit einigen Jahren die hohe Arbeitslosigkeit abzubauen und diese Entwicklung wird sich auch dieses Jahr fortsetzen.